GESUNDHEITSTIPP
Gesundheitstipp

Zecken: klein, gemein – und gut zu vermeiden

15. Juli 2026·5 Min. Lesezeit·von Anne Lindner

Kurz & knapp

  • Zecke so schnell wie möglich entfernen – mit Zeckenkarte oder -pinzette, gerade herausziehen, nicht drehen
  • Danach die Zecke richtig abtöten – einfach ins Klo spülen reicht nicht, das überlebt sie
  • Stichstelle desinfizieren, Datum notieren, ein paar Wochen im Blick behalten
  • Vorbeugen mit Schutzmittel auf Haut und Kleidung + nach jedem Ausflug absuchen
  • Chemnitz ist FSME-Risikogebiet – die Impfung schützt (nur gegen FSME, nicht gegen Borreliose)

Kaum wird es warm, sind sie wieder da – im hohen Gras, im Unterholz, am Wegrand. Und das nicht irgendwo weit weg, sondern mitten in Chemnitz, etwa im Küchwald oder Zeisigwald. Anders als viele denken, fallen Zecken nicht von Bäumen: Sie lauern in Bodennähe an Grashalmen und warten geduldig, bis ein warmblütiges Tier – oder ein Mensch – vorbeistreift.

Gefährlich werden sie, weil sie beim Blutsaugen Krankheitserreger übertragen können – vor allem die Borreliose (durch Bakterien) und die FSME (durch Viren). Beides ist zum Glück selten. Aber ausgerechnet Chemnitz zählt zu den FSME-Risikogebieten – Grund genug, die kleinen Tiere einmal richtig kennenzulernen.

Chemnitz FSME-Risikogebiete Risikogebiet (Süd & Ost) kein/kaum Risiko Chemnitz – hier sind wir
Große Teile Süd- und Ostdeutschlands – darunter Chemnitz – sind FSME-Risikogebiet. (Vereinfachte Darstellung nach RKI, Stand 2026.)

Ich bin Wildtierfotografin und liege für ein gutes Foto oft stundenlang im hohen Gras, am Waldrand, im Unterholz – also genau dort, wo die Zecken wohnen. Kein Tier begegnet mir so zuverlässig wie diese kleinen Spinnentiere. Über die Jahre habe ich gelernt, mit ihnen umzugehen: ohne Panik, aber mit Respekt. Das Wichtigste gebe ich Ihnen hier weiter.

💡 Wussten Sie es? – 5 überraschende Fakten

  • Zecken sind gar keine Insekten, sondern Spinnentiere – sie haben acht Beine.
  • Sie gehören zu den ältesten Blutsaugern der Welt: In uraltem Bernstein fand man Zecken, die schon an Dinosauriern saugten.
  • Zecken sehen fast nichts. Sie erspüren uns über ihre Vorderbeine – an Atem (CO₂), Wärme und Schweiß.
  • Am gefährlichsten ist die winzige Nymphe (so groß wie ein Mohnkorn): Man übersieht sie leicht und entfernt sie zu spät.
  • Neu bei uns: die tropische Riesenzecke Hyalomma reist mit Zugvögeln ein – bei milden Sommern immer öfter.

Zecke entdeckt? So bekommen Sie sie richtig raus

Je schneller Sie eine Zecke entfernen, desto kleiner das Risiko. Am einfachsten geht das mit dem passenden Werkzeug – eine Zeckenkarte fürs Portemonnaie oder eine feine Zeckenpinzette bekommen Sie bei uns in der Apotheke. So gehen Sie vor:

  • Dicht über der Haut ansetzen – am Kopf der Zecke, nicht am vollgesogenen Körper (sonst drücken Sie Erreger in die Wunde).
  • Langsam und gerade herausziehen – nicht ruckartig, nicht drehen. Es gibt kein „Gewinde“, das man herausschrauben müsste.
  • Kein Werkzeug dabei? Dann notfalls mit den Fingernägeln – Hauptsache schnell. Sofort raus ist besser, als lange nach dem perfekten Werkzeug zu suchen.
  • Finger weg von Hausmitteln: Öl, Klebstoff oder Nagellack reizen die Zecke – sie gibt dann eher mehr Erreger ab und es kostet nur wertvolle Zeit.

Bleibt ein kleiner dunkler Punkt in der Haut zurück, ist das meist nur ein Rest des Stechapparats. Der wird vom Körper in der Regel von selbst abgestoßen – kein Grund zur Panik.

Zeckenkarte flach über die Haut schieben schieben Aufsicht V-Schlitz umschließt die Zecke
Mit der Zeckenkarte schieben Sie die Zecke flach über der Haut heraus – ganz ohne Quetschen und Drehen.

Und dann? Die Zecke sicher abtöten

Eine Zecke ist erstaunlich zäh – im Wasser überlebt sie tagelang. Einfach ins Klo spülen reicht also nicht. Und zwischen den Fingern zerdrücken sollten Sie sie auch nicht, weil dabei Erreger auf Ihre Haut kommen können. Sicher werden Sie sie so los:

  • in ein Stück Klebeband wickeln und im Hausmüll entsorgen, oder
  • in Alkohol oder Desinfektionsmittel legen, oder
  • auf ein Papier legen und mit einem harten Gegenstand fest zerdrücken.

Wann sollten Sie zum Arzt?

Behalten Sie die Stichstelle ein paar Wochen im Blick. Gehen Sie zum Arzt, wenn sich ein roter Ring um den Stich bildet (die „Wanderröte“, oft erst nach Tagen bis Wochen) oder wenn grippeähnliche Beschwerden wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen dazukommen. Wichtig: Der rote Ring bleibt manchmal auch aus – wenn Sie sich krank fühlen, lassen Sie es trotzdem abklären. Früh erkannt ist Borreliose mit Antibiotika gut heilbar.

Vorbeugen: So machen Sie es Zecken schwer

Ein bisschen Schutz spart viel Sucherei. Was mir draußen hilft:

  • Kleidung: lange Hose, die Hosenbeine in die Socken stecken, helle Sachen – darauf sehen Sie die dunklen Krabbler sofort.
  • Absuchen: nach jedem Ausflug den ganzen Körper checken – Kniekehlen, Leiste, Achseln, Bauchnabel, Haaransatz. Bei Kindern besonders Kopf und Nacken. Und Hund und Katze nicht vergessen.
  • Schutzmittel (Repellentien) auftragen – am besten auf Haut und Kleidung.

Meine Empfehlung aus der Apotheke

Von Anti Brumm gibt es verschiedene Varianten – für Kinder, für Erwachsene und speziell fürs Reisen in die Tropen. Und wer die Kleidung mitschützen möchte, findet bei NOBITE ein Spray für die Haut und ein eigenes für die Kleidung. Was für Sie am besten passt, ist ein Stück weit Geschmackssache – wir beraten Sie gern und finden gemeinsam das Richtige.

Was wirklich hilft – und was nur ein Mythos ist

Rund um Zecken kursieren viele gut gemeinte Hausmittel. Die Wahrheit ist: Das meiste davon wirkt leider nicht. Hier das Wichtigste geordnet:

✓ Das hilft wirklich

  • Zecke schnell entfernen (Zeckenkarte/Pinzette)
  • Nach dem Ausflug gründlich absuchen
  • Repellent auf Haut und Kleidung
  • Lange, helle Kleidung, Hosen in die Socken
  • Kleidung 10 Min. heiß in den Trockner – das tötet versteckte Zecken (Waschen allein nicht)
  • FSME-Impfung im Risikogebiet

✗ Das ist leider Mythos

  • Kokosöl allein (schwacher, kurzer Effekt)
  • Knoblauch essen
  • Vitamin-B1-Tabletten
  • Bernsteinketten
  • Ultraschall-Stecker & -Apps
  • Die Zecke mit Öl oder Klebstoff „ersticken“

FSME: Die Impfung schützt

Gegen FSME gibt es keine Behandlung, aber eine gut verträgliche Schutzimpfung, die die Ständige Impfkommission (STIKO) für Risikogebiete empfiehlt – und Chemnitz gehört dazu. Die Grundimmunisierung sind drei Impfungen, aufgefrischt wird je nach Alter alle drei bis fünf Jahre. Wichtig zu wissen: Die Impfung schützt nur gegen FSME, nicht gegen Borreliose – gegen die Bakterien hilft im Fall der Fälle das Antibiotikum vom Arzt. Eine Merkhilfe, die bei mir hängen geblieben ist: Virus piksen, Bakterium schlucken.

Tipp: Bring deinen Impfpass mit

Beim nächsten Besuch schauen wir gemeinsam, ob Ihr FSME-Schutz noch aktuell ist. Und alles, was Sie zum Schutz brauchen – Zeckenkarten, Pinzetten sowie Anti Brumm und NOBITE für Haut und Kleidung – haben wir für Sie da.

Illustration: Fuchs – Erkennungszeichen der Gastautorin Anne Lindner
Gastautorin · Wildtierfotografin
Anne Lindner

Was viele hier noch nicht wissen: Neben meiner Arbeit fotografiere ich Wildtiere – oft mittendrin in der Natur, wo auch die Zecken zu Hause sind. Mehr von mir und meinen Bildern finden Sie auf ran-an-den-fuchs.de. Weil Tiere keine Motive sind. Bleiben Sie gesund und neugierig – Ihre Anne Lindner.

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