Kurz & knapp
- Wie ein Arzneimittel gelagert werden will, steht immer auf der Faltschachtel oder im Beipackzettel. Ein Blick dorthin klärt fast jede Frage.
- Die Begriffe sind fest definiert: im Kühlschrank lagern heißt 2 bis 8 °C, bei Raumtemperatur lagern heißt 15 bis 25 °C. Steht kein Hinweis auf der Packung, gilt Raumtemperatur.
- Kalt ist nicht automatisch besser. Salben können sich entmischen, Lösungen ausfallen, kalte Augentropfen reizen das Auge.
- Zu warm gelagert leidet meist der Wirkstoff, ohne dass man von außen etwas sieht.
- Badezimmer und Küche sind die schlechtesten Plätze. Besser sind Schlafzimmer oder Flur, im unteren Teil eines Schranks an einer Innenwand.
- Kühlpflichtiges unterwegs: Kühltasche mit Akku, der Akku aber nie direkt am Arzneimittel.
- Angebrochenes Insulin darf bis zu 28 Tage bei Raumtemperatur bleiben und muss nicht zurück in den Kühlschrank.
- Schreiben Sie das Anbruchdatum mit Kugelschreiber auf die Packung.
- Entsorgen: nie über Toilette oder Spüle. In Chemnitz nehmen die Wertstoffhöfe und das Schadstoffmobil Altarzneimittel kostenfrei an, Apotheken sind dazu nicht verpflichtet.
Es ist einer der Sätze, die wir im Sommer fast täglich in der Apotheke hören: Ich habe die Tropfen einfach in den Kühlschrank gestellt, dann halten sie länger. Gut gemeint ist das immer, richtig ist es leider oft nicht. Kälte ist für viele Arzneimittel genauso ein Problem wie Hitze. Und die gute Nachricht: Was ein Präparat wirklich braucht, muss niemand erraten. Es steht auf der Packung und im Beipackzettel, in einer festgelegten Sprache. Ich zeige Ihnen, was diese Angaben bedeuten, was bei falscher Lagerung tatsächlich passiert und wie Sie zu Hause und unterwegs auf der sicheren Seite bleiben.
Auf der Packung steht schon alles, man muss die Begriffe nur kennen
Jede Faltschachtel und jeder Beipackzettel trägt einen Lagerhinweis, und dieser Hinweis ist keine Empfehlung nach Gefühl, sondern eine Vorgabe aus der Zulassung. Die Temperaturbereiche sind im Arzneibuch definiert, sie bedeuten also bei jedem Hersteller dasselbe. Das ist wichtig, weil viele die Angaben als Obergrenze lesen und daraus schließen, kälter sei sicherer. Genau das ist der Denkfehler. Nicht über 25 °C heißt nicht: je kälter, desto besser, sondern nur, dass es nicht wärmer werden soll. Steht kein Hinweis auf der Packung, gilt Raumtemperatur, also der normale Wohnbereich. In der Praxis begegnen Ihnen fast immer nur diese zwei Angaben: Kühlschrank oder Raumtemperatur. Im Arzneibuch gibt es daneben noch den Bereich „kühl“ mit 8 bis 15 °C, der kommt aber so selten vor, dass ihn viele nie zu Gesicht bekommen.
Im Kühlschrank lagern
- Bedeutet 2 bis 8 °C, also der normale Kühlschrank.
- Am besten mittleres Fach an der Vorderseite, nicht direkt an der Rückwand, weil dort Frost entstehen kann.
- Nicht in der Tür, dort schwankt die Temperatur beim Öffnen am stärksten.
- Typisch für Insulin, Impfstoffe, Biologika, manche Antibiotikasäfte, bestimmte Augentropfen und Zäpfchen mit empfindlichem Wirkstoff.
Bei Raumtemperatur lagern
- Bedeutet 15 bis 25 °C, also die normale Wohnung.
- Das ist der Fall bei den allermeisten Arzneimitteln.
- Gilt auch dann, wenn überhaupt kein Lagerhinweis auf der Packung steht.
- Trocken und lichtgeschützt gehört fast immer dazu, deshalb die Umverpackung nicht wegwerfen.
Nicht über 25 oder 30 °C
- Etwas großzügigere Varianten der Raumtemperatur, mit klarer Obergrenze.
- Wichtig: Das ist eine Obergrenze, keine Aufforderung zum Kühlen.
- Genau diese Grenze wird im Hochsommer in Dachwohnungen schnell überschritten.
- Dann hilft ein kühlerer Raum, nicht der Kühlschrank.
Nicht einfrieren
- Steht auf vielen kühlpflichtigen Präparaten und ist strikt zu nehmen.
- Gefrorenes Insulin, gefrorene Impfstoffe und gefrorene Biologika sind unbrauchbar, auch wenn sie danach wieder auftauen.
- Frost kann Eiweißstrukturen zerstören, sichtbar ist das oft nicht.
- Deshalb im Kühlschrank Abstand zur Rückwand halten und im Winter nicht im Auto liegen lassen.
Der häufigste Irrtum: Der Kühlschrank macht nicht alles besser
Das ist der Punkt, bei dem ich in der Beratung am häufigsten korrigieren muss. Sehr viele Menschen stellen Augentropfen, Salben und Säfte in den Kühlschrank, weil sie glauben, damit die Haltbarkeit zu verlängern oder die Wirkung zu verbessern. Beides trifft in der Regel nicht zu. Augentropfen gehören nur dann in den Kühlschrank, wenn es auf der Packung steht. Kalt ins Auge getropft reizen sie die Bindehaut, das Auge tränt, blinzelt und spült einen Teil der Flüssigkeit gleich wieder heraus. Wer gekühlte Tropfen anwenden muss, sollte das Fläschchen vorher ein paar Minuten in der Hand auf Körpertemperatur bringen.
Bei Salben und Cremes ist der Schaden noch handfester. Sie sind Emulsionen, also eine fein verteilte Mischung aus Fett und Wasser, die von Hilfsstoffen zusammengehalten wird. Kälte kann dieses Gleichgewicht kippen, dann trennen sich die Phasen, die Creme wird grießig, krisselig oder wässrig und der Wirkstoff ist nicht mehr gleichmäßig verteilt. Genau das passiert auch bei Lösungen, Gelen und Säften: Im Kalten können Bestandteile ausfallen, kristallisieren oder verklumpen. Was aussieht wie ein Schleier oder ein paar Flöckchen am Flaschenboden, bedeutet, dass Sie mit jedem Löffel oder Sprühstoß nicht mehr die Dosis nehmen, die drauf steht.
✓ Darf gekühlt werden
- Alles, wo im Kühlschrank lagern oder 2 bis 8 °C auf der Packung steht.
- Ungeöffnete Insulinpens und Insulinflaschen.
- Impfstoffe und Biologika bis zur Anwendung.
- Manche Antibiotikasäfte, aber erst nach dem Anmischen und nur wenn es der Beipackzettel sagt.
- Bestimmte Augentropfen und Augensalben, wenn ausdrücklich angegeben.
- Gel-Kompressen und Kühlkissen, die genau dafür gedacht sind.
✕ Gehört nicht in den Kühlschrank
- Salben, Cremes und Lotionen ohne Kühlhinweis, sie können sich entmischen.
- Säfte, Tropfen und Sirupe ohne Kühlhinweis, dort fällt Wirkstoff aus.
- Gele und Lösungen, in denen sich Kristalle bilden können.
- Zäpfchen ohne Kühlhinweis, sie werden spröde und brechen beim Ausdrücken.
- Dosieraerosole und Sprays, die Dosiergenauigkeit leidet.
- Tabletten und Kapseln, im Kühlschrank ist es zu feucht für sie.
Der Klassiker aus der Beratung
Eine gekühlte Salbe fühlt sich auf gereizter Haut angenehm an, und daraus wird schnell der Schluss, sie wirke dann besser. Das ist nicht so. Der kühlende Effekt ist reine Physik und hält wenige Minuten, das Risiko einer gebrochenen Emulsion bleibt dagegen. Wenn Sie Kühlung möchten, nehmen Sie ein Kühlkissen oder feuchte Umschläge und lassen Sie die Salbe bei Raumtemperatur.
Zu warm gelagert: was dann tatsächlich passiert
Wärme beschleunigt chemische Reaktionen, das gilt auch im Inneren einer Tablette. Der Wirkstoff zerfällt schneller, es entstehen Abbauprodukte, und am Ende steckt weniger Wirkstoff in der Tablette als auf der Packung angegeben. Das Tückische daran: Man sieht es meistens nicht. Eine heiß gelagerte Tablette sieht genauso aus wie eine korrekt gelagerte, und ob ein Blutdruckmittel noch die volle Wirkung hat, merkt man nicht am Aussehen. Bei anderen Darreichungsformen ist der Schaden dagegen sichtbar, und dann ist es tatsächlich ein Glück, weil man den Fehler bemerkt.
Zäpfchen
- Bestehen meist aus Hartfett, das bei Körpertemperatur schmelzen soll.
- Bei etwa 35 °C sind sie in wenigen Minuten weich.
- Beim Wiedererstarren sinkt der Wirkstoff nach unten und liegt ungleich verteilt.
- Die Folge: Beim Anwenden wird er nicht gleichmäßig aufgenommen, dazu kann es an der Schleimhaut reizen.
Salben und Cremes
- Fett und Wasser trennen sich, die Creme wird flüssig oder körnig.
- Manche verfärben sich oder riechen anders als gewohnt.
- Der Wirkstoff sitzt danach nicht mehr gleichmäßig in der Grundlage.
- Einmal gebrochen lässt sich eine Emulsion durch Rühren nicht reparieren.
Kapseln
- Weich- und Gelatinekapseln werden weich, kleben zusammen oder verformen sich.
- Aneinander klebende Kapseln lassen sich kaum noch einzeln dosieren.
- Bei Feuchtigkeit im Bad quellen sie zusätzlich auf.
- Auch Brausetabletten reagieren empfindlich auf Feuchtigkeit, deshalb Rohr immer sofort schließen.
Wirkstoffpflaster
- Bei Wärme gibt das Pflaster den Wirkstoff schneller ab als vorgesehen.
- Das gilt nicht nur bei der Lagerung, sondern auch am Körper, etwa bei Sauna, Heizdecke oder Fieber.
- Gelagert werden sie flach und in der Originalfolie.
- Bei starkem Schwitzen kann der Kleber nachlassen, dann wird die Abgabe unberechenbar.
Sprays und Dosieraerosole
- Sie stehen unter Druck, Wärme erhöht den Innendruck zusätzlich.
- Die abgegebene Menge pro Sprühstoß kann sich verändern.
- Deshalb gehört kein Asthmaspray auf die sonnige Fensterbank oder ins Auto.
- Vor dem Gebrauch nach Hitzebelastung: Funktion prüfen, im Zweifel in der Apotheke fragen.
Insulin und Biologika
- Es sind Eiweiße, und Eiweiß verändert sich bei Wärme unwiederbringlich.
- Der Wirkverlust ist von außen meist nicht zu erkennen.
- Trübung, Flocken oder Schlieren in einer klaren Lösung sind ein deutliches Warnzeichen.
- Bei Insulin geht es um die Therapiesicherheit, hier lieber einmal zu viel nachfragen.
Wo in der Wohnung ist der beste Platz?
Der beliebteste Platz ist leider der schlechteste. Der Badezimmerschrank ist für Arzneimittel ungeeignet, weil dort Temperatur und Luftfeuchtigkeit ständig schwanken: Nach jeder Dusche steht der Raum voll Wasserdampf, und die Durchschnittstemperatur liegt bei vielen über dem, was Arzneimittel mögen. Feuchtigkeit macht Tabletten, Brausetabletten und Kapseln zu schaffen, lange bevor das Verfallsdatum erreicht ist. Die Küche ist aus demselben Grund keine gute Wahl, dazu kommen Backofen, Herd und Wasserdampf. Auch die Fensterbank und der Platz über der Heizung fallen weg, ebenso das Auto.
Gut geeignet sind ein Schlafzimmer oder ein Flur, weil dort weder gekocht noch geduscht wird und es meist mehrere Grad kühler ist. Innerhalb des Raums lohnt es sich, an die Physik zu denken: Warme Luft steigt nach oben, deshalb ist es im unteren Teil eines Schranks kühler als im oberen, und an einer Innenwand kühler als an einer Außenwand, die den ganzen Tag von der Sonne aufgeheizt wird. Ein Fach unten in einem Schrank an der Innenwand des Schlafzimmers ist in einer normalen Wohnung meist der kühlste und stabilste Ort. Bitte trotzdem immer kindersicher und für Kinder unerreichbar, das schlägt jede Temperaturüberlegung.
Wenn die Wohnung im Sommer dauerhaft deutlich über 25 °C liegt, ist ein kühler Keller eine gute Lösung, solange es dort nicht feucht ist. Der Kühlschrank kommt als Notlösung nur für Präparate in Frage, die Kälte vertragen, und dann bitte ins Gemüsefach und nicht an die Rückwand. Bei Tabletten und Kapseln ist der Kühlschrank keine Hilfe, denn dort ist es zu feucht. Im Zweifel fragen Sie uns einfach, gern mit einem Foto der Packung, dann schauen wir gemeinsam auf den Lagerhinweis.
Kühlpflichtiges unterwegs: Insulin, Augentropfen und Co.
Wer regelmäßig kühlpflichtige Arzneimittel braucht, kennt die Frage: Wie kommt das Ganze durch einen heißen Tag oder in den Urlaub? Für kurze Wege genügt eine Kühltasche mit Akku, mit einer wichtigen Einschränkung: Der Akku darf nie direkt am Arzneimittel liegen, sonst friert es ein. Wickeln Sie das Präparat in ein Handtuch oder legen Sie ein Stück Stoff zwischen Akku und Packung. Für Insulinpens gibt es zusätzlich Etuis mit Verdunstungskühlung, die nur mit Wasser aktiviert werden und ohne Strom und ohne Gefrierfach mehrere Tage kühlen, praktisch für Reisen und lange Arbeitstage. Im Flugzeug gehört kühlpflichtiges Insulin ins Handgepäck, im Frachtraum kann es einfrieren. Wenn es im Auto sein muss, dann in der Kühltasche unter einem Vordersitz, dort ist es am kühlsten.
Bei Insulin gilt ungeöffnet: 2 bis 8 °C, also Kühlschrank, bis zum Verfallsdatum. Sobald ein Pen oder eine Durchstechflasche im Gebrauch ist, sieht es anders aus: Dann darf das Insulin bei Raumtemperatur bleiben, je nach Präparat bis 25 oder bis 30 °C, und ist ab Anbruch in der Regel 28 Tage haltbar. Zurück in den Kühlschrank muss es dann nicht, und es ist auch nicht besser: Kalt gespritztes Insulin tut mehr weh und kann die Einstichstelle reizen. Die 28 Tage laufen übrigens ab Anbruch, unabhängig davon, ob der Pen kühl oder warm gelagert wurde. Eingefroren war es einmal, dann gehört es entsorgt, auch wenn es wieder aufgetaut klar aussieht. Die genaue Angabe für Ihr Präparat steht im Beipackzettel, denn die Grenzen unterscheiden sich zwischen den Insulinen.
Bei Augentropfen ist es ähnlich aufgebaut. Manche müssen ungeöffnet bei 2 bis 8 °C liegen, die angebrochene Flasche darf dann bei Raumtemperatur bleiben, weil sie ohnehin zügig verbraucht wird. Nach dem Anbruch sind konservierte Augentropfen meist vier Wochen haltbar, konservierungsmittelfreie Flaschen je nach System sechs bis acht Wochen. Einzeldosis-Ampullen ohne Konservierung sind nach dem Öffnen nur wenige Stunden verwendbar und gehören danach in den Restmüll, auch wenn noch etwas darin ist. Klingt nach Verschwendung, ist aber Infektionsschutz für ein sehr empfindliches Organ.
Der wirksamste Trick überhaupt
Schreiben Sie das Anbruchdatum mit Kugelschreiber direkt auf die Faltschachtel oder das Etikett, bei Augentropfen, Säften, Insulin, Nasensprays und Salben. Das kostet fünf Sekunden und beantwortet später die Frage, die sich sonst nicht mehr beantworten lässt: Wie lange steht das eigentlich schon offen? Wer mag, notiert daneben noch das Datum, an dem es weg darf.
✨ Wussten Sie?
- Das Verfallsdatum auf der Packung gilt nur für die ungeöffnete Packung und nur bei korrekter Lagerung. Nach dem Anbruch zählt die kürzere Anbruchfrist aus dem Beipackzettel.
- Das Symbol mit der geöffneten Dose und einer Zahl wie 6M bedeutet: nach dem Öffnen sechs Monate verwendbar. Es steht auf Kosmetik, aber auch auf Sonnenschutz und manchen Salben.
- Die Umverpackung ist kein Überfluss, sondern Lichtschutz. Wer Blister aus der Schachtel nimmt und lose in eine Dose legt, nimmt vielen Tabletten diesen Schutz weg. Auch der Beipackzettel gehört dazu, dort steht der Lagerhinweis.
- Ein Kühlschrank ist innen nicht gleichmäßig kalt. An der Rückwand können es unter 0 °C werden, in der Tür bei jedem Öffnen deutlich mehr als 8 °C. Das mittlere Fach vorn ist der verlässlichste Platz.
- Auch Frost ist eine falsche Lagerung. Wer im Winter Arzneimittel im Auto liegen lässt oder ein Paket stundenlang vor der Tür stehen hat, riskiert dasselbe wie im Sommer.
- Wattestäbchen oder Wattebällchen in Tablettendosen sind übrigens Transportschutz, kein Frischhalter. Nach dem Öffnen darf die Watte raus, denn sie zieht Feuchtigkeit in die Dose.
- Ein Trockensaft ist vor dem Anmischen wochenlang haltbar, danach oft nur wenige Tage und häufig im Kühlschrank. Genau deshalb wird er als Pulver abgegeben und erst in der Apotheke oder zu Hause angesetzt.
- Bei Reisen in warme Länder ist nicht der Flug das Problem, sondern das Hotelzimmer. Ein Zimmersafe erreicht schnell über 30 °C, die Minibar dagegen ist für Kühlpflichtiges oft eine gute Lösung.
Woran Sie erkennen, dass ein Arzneimittel gelitten hat
- Zäpfchen sind weich, verformt, glasig oder auffallend spröde.
- Cremes und Salben sind flüssig, körnig oder haben sich in Schichten getrennt.
- In einer klaren Lösung schwimmen Flocken, Schlieren oder Kristalle, oder sie ist trüb geworden.
- Tabletten sind verfärbt, fleckig, bröselig oder riechen anders als sonst.
- Kapseln kleben aneinander, sind weich oder wirken aufgequollen.
- Die Packung ist aufgebläht, eine Blisterfolie hat sich gelöst, oder ein Spray gibt keinen gleichmäßigen Stoß mehr ab.
- Bei kühlpflichtigen Mitteln: Sie lagen sichtbar zu warm oder waren gefroren.
Ein wichtiger Hinweis dazu: Dass ein Arzneimittel unverändert aussieht, ist kein Beweis dafür, dass es in Ordnung ist. Der Wirkstoffverlust bei zu warmer Lagerung läuft unsichtbar ab. Umgekehrt ist eine sichtbare Veränderung ein klares Stopp-Signal. Und noch etwas: Eine unterbrochene Kühlkette lässt sich nicht heilen. Wieder in den Kühlschrank stellen macht den Schaden nicht rückgängig, es hält ihn nur davon ab, größer zu werden.
Bitte nicht selbst entscheiden
Wenn Sie unsicher sind, ob ein Präparat zu warm oder zu kalt gelagert war, werfen Sie es nicht einfach weg und nehmen Sie es auch nicht auf Verdacht weiter. Fragen Sie uns, am besten mit Packung und Beipackzettel zur Hand oder als Foto. Wir können beim Hersteller nachfragen, wie viel Abweichung ein bestimmtes Präparat verträgt, das ist von Wirkstoff zu Wirkstoff sehr unterschiedlich.
Und wenn es weg muss: Arzneimittel richtig entsorgen
Beim Aussortieren kommt fast immer dieselbe Frage: Wohin damit? Eines vorweg, weil es der häufigste Fehler ist: Arzneimittel gehören niemals in die Toilette oder ins Spülbecken. Kläranlagen können Arzneimittelwirkstoffe nur teilweise herausfiltern, ein Teil landet in Flüssen und Seen und ist dort messbar. Was früher als ordentliche Entsorgung galt, ist heute genau der falsche Weg.
In Deutschland gibt es dabei keine einheitliche Regel, jede Stadt und jeder Landkreis legt das selbst fest. In vielen Kommunen dürfen Altarzneimittel in den Restabfall, also die graue Tonne, weil dieser Abfall verbrannt wird und dabei keine Rückstände bleiben. In anderen Orten ist das ausdrücklich nicht erlaubt und es geht nur über Schadstoffmobil oder Wertstoffhof. Wer nachsehen möchte, was am eigenen Wohnort gilt, findet das auf arzneimittelentsorgung.de.
Für Chemnitz ist die Lage angenehm eindeutig, und beide Wege sind kostenfrei. Die Wertstoffhöfe des ASR nehmen abgelaufene Arzneimittel zu den normalen Öffnungszeiten an, auch samstags. Dazu kommt das Schadstoffmobil, das samstags von 8 bis 13 Uhr an wechselnden Standorten steht. Die aktuellen Adressen und Zeiten finden Sie auf den Seiten des ASR Chemnitz. Was viele nicht wissen: Apotheken sind gesetzlich nicht verpflichtet, Altarzneimittel zurückzunehmen, und wir können das bei uns leider auch nicht anbieten. Fragen dürfen Sie uns aber jederzeit, etwa ob ein Mittel überhaupt schon weg muss oder noch verwendbar ist. Das klären wir gern mit Ihnen, den Weg zum Wertstoffhof oder zum Schadstoffmobil nehmen Sie dann selbst.
So geht es praktisch
- Tabletten und Kapseln im Blister lassen, nichts auspacken oder herausdrücken.
- Flüssige Reste in der geschlossenen Flasche lassen und nichts ausgießen.
- Faltschachtel und Beipackzettel können ins Altpapier, der Inhalt gehört separat entsorgt.
- Nichts offen in den Mülleimer legen, sondern verschlossen, damit Kinder und Tiere nicht daran kommen.
Das sind Sonderfälle
- Zytostatika aus der Chemotherapie sind gefährlicher Abfall und gehören nicht in den Hausmüll.
- Betäubungsmittel fallen unter eigene Vorschriften, hier bitte immer vorher fragen.
- Nadeln, Pen-Nadeln und Lanzetten nur in einem durchstichsicheren, verschlossenen Behälter, nie locker in den Müll.
- Nahrungsergänzungsmittel und Verbandmaterial sind keine Altarzneimittel, die dürfen normal in den Müll.
Warum Aussortieren mehr bringt, als man denkt
Der häufigste Grund, warum in einer Hausapotheke abgelaufene Mittel liegen, ist nicht Nachlässigkeit, sondern Unsicherheit: Man weiß nicht, wohin damit, und schiebt es auf. Nehmen Sie sich einmal im Jahr eine halbe Stunde, am besten mit einem festen Termin im Kalender, und gehen Sie Ihre Hausapotheke einmal durch. Wenn Sie bei einem Mittel unsicher sind, ob es noch verwendbar ist, fragen Sie uns, das klären wir schnell. Den aussortierten Rest bringen Sie dann zum Wertstoffhof oder zum Schadstoffmobil, und Sie haben im Notfall wieder nur Mittel im Schrank, auf die Sie sich verlassen können.
Was wir in der Apotheke für Sie tun können
Wenn Sie mehrere Arzneimittel dauerhaft einnehmen, lohnt sich einmal ein gemeinsamer Blick in die Hausapotheke. Am einfachsten fotografieren Sie die Packungen ab oder notieren sie auf einem Zettel. Wir gehen die Lagerhinweise mit Ihnen durch, sagen Ihnen, was abgelaufen ist und weg kann, was tatsächlich in den Kühlschrank gehört und was dort nichts zu suchen hat. Bei kühlpflichtigen Präparaten beraten wir zu Kühltaschen und Pen-Etuis und erklären, was auf Reisen zu beachten ist. Und wenn Sie kurz vor einem Urlaub stehen, planen wir gemeinsam, wie Ihre Arzneimittel gekühlt am Ziel ankommen.
Mein Tipp zum Schluss
Machen Sie es sich einfach und prüfen Sie nicht jedes Mittel neu: Lesen Sie einmal bei jeder neuen Packung den Lagerhinweis und geben Sie dem Präparat dann seinen festen Platz. So entsteht über die Zeit eine Hausapotheke, in der alles dort liegt, wo es hingehört, und Sie müssen im Ernstfall nicht überlegen. Ein Termin im Kalender einmal im Jahr, am besten im Frühjahr, hält sie sauber. Und wenn Sie unsicher sind, fragen Sie uns einfach, das kostet Sie nichts und uns nur ein paar Minuten. Bleiben Sie gesund, Ihre Anne Lindner.
Ich schreibe hier regelmäßig über die Themen, zu denen bei uns am häufigsten gefragt wird, und versuche, das Fachliche so zu erklären, dass es zu Hause wirklich weiterhilft. Wenn Ihnen bei einem Thema noch etwas fehlt oder Sie sich einen Beitrag wünschen: Sprechen Sie uns gern an. Bleiben Sie gesund, Ihre Anne Lindner.